Von Menschenbildern und ABA

Die folgenden Aussagen entstammen alle den Kommentaren unter diesem Facebookpost und wurden von Sabine Klemm, ihres Zeichens ehemalige Vorsitzende von Autismus Karlsruhe in einer Diskussion um ABA getätigt:

wahrscheinlich sind Sie ein Mensch mit Autismus und vielleicht nicht in der Lage, die Konsequenzen Ihres Handelns einzuschätzen.

Menschen mit Autismus pauschal die Zurechnungsfähgikeit aberkennen: Check!

natürlich ist applied behavior analysis eine Naturwissenschaft.

ABA als Naturwissenschaft darstellen: Check!
(Eine Therapie kann keine Naturwissenschaft sein, wenn überhaupt kann sie auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und selbst das ist bei ABA eher zweifelhaft.)

Und zu dem dummen Gepöbel mit den Behindertenrechten: Ich habe auch Rechte, meine Stimme als Erziehungsberechtige zählt auch

Die eigenen Rechte über die Rechte von Behinderten stellen: Check!

Dies so auszuschlachten, ist ja leider oft Teil der Behinderung, wenn Sie denn dann ohne Förderung in eine narzisstische Perversion übergeht, ist das Empathievermögen eingeschränkt oder gar nicht vorhanden. Die meisten Menschen ohne Kontakt zu Menschen mit Autismus können sich nicht vorstellen, wie narzisstisch pervers Menschen mit ihrem Behinderungsbild agieren können.

Autisten Narzissmus und Perversion unterstellen: Check!
Was zum Teufel?: Check!

Wenn man Kontakt mit einer Population, wie der Ihren hat, wohl eher eine Vorsichtsmaße und eine Erinnerung der Vernunft gegen Ihre Feinde beizustehen.

Die autistische „Population“ als vernunftfeindlich darstellen: Check!
Was zum Teufel?²: Check!

An dieser Stelle müsste jetzt eine abschließende Stellungnahme stehen. Tatsächlich habe ich keine Idee, was ich dazu schreiben soll und bleibe nach lesen der Diskussion fassungslos zurück. Ich bin schockiert wie viel Verachtung ein Mensch, der Autisten „therapieren“ möchte Autisten gegenüber zum Ausdruck bringen kann.
Was ich nicht bin ist überrascht. Denn diese Verachtung und Überheblichkeit ist in Gesprächen mit ABA-Vertretern nicht ungewöhnlich. Die meisten geben sich nur etwas mehr Mühe dabei, sie zu verstecken.

Nachtrag 06.11.2015:
Vollkommen überraschend wurden die entsprechenden Beiträge der Facebookdiskussion gelöscht. Wäre ja wirklich schade, wenn die jemand archiviert hätte.

5 thoughts on “Von Menschenbildern und ABA”

  1. mo jour

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Gerade habe ich mir die „Diskussion“ auf FB angesehen und schüttele fassungslos den Kopf über die Äußerungen von Frau Klemm.
    Mein Kommentar dazu:
    ABA-„Therapie“ ist für den Autisten so, als ob man dem Farbigen die Haut mit Chlor bleicht, damit er davon ’normal weiß‘ wird.

  2. Farnsworth

    Anregung zum Narzissmus:
    Natürlich ist Klemms Aussage falsch. Aber nicht nur inhaltlich und nicht nur eine Unterstellung: ’narzisstisch‘ sollte genauso wenig als Abwertung dienen wie ‚autistisch‘. Individuen mit der entsprechenden Persönlichkeitsstörung kämpfen mit Stigmatisierung. Pures Verneinen dieser doppelt ableistischen Beleidigung schadet denen, die der Begriff tatsächlich bezeichnet. Unabhängig davon, ob sie wirklich narzisstisch und autistisch sind, oder nur ersteres.

  3. Susanne

    „wahrscheinlich sind Sie ein Mensch mit Autismus und vielleicht nicht in der Lage, die Konsequenzen Ihres Handelns einzuschätzen.“

    die ständige Rechtfertigung, von anderen Leuten regiert zu werden, zum „eigenen Wohl“, versteht sich.

    Psychiatrie-Erfahrene kämpfen damit bzw. dagegen.

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